I[n]solation · Wissen & Perspektiven
Fragen als Wegweiser. Vollständige Autorenoriginale zu Fenstern, dynamischem Wärmeschutz und der Energiewende.
Fragen & Themen
Fenster · Licht & Energiebilanz
FVS · Prinzip, Aufbau & Erprobung
Fassade · Sonne, Speicher, Adaptivität
Sommer · Schatten, Wärme, Komfort
Wärmepumpe · Lastspitzen, PV, Regelung
Sanierung · Kosten, Messwerte, Umsetzung
Energiewende · Denkansätze, Industrie, Gesellschaft
Keine passende Frage gefunden.
Veröffentlichte Originale. Weitere Beiträge befinden sich in Prüfung.
Erneuerbare maximal ausbauen – wirklich?
Es klingt erstmal logisch: mehr erneuerbare Energie, weniger fossile Energie. Also weiter ausbauen, so viel wie möglich.
Aber ist „maximal“ automatisch sinnvoll?
Wer ein Haus saniert, kennt diese Frage: Bei der Dämmung nur das Mindestmaß erfüllen — oder mehr machen, weil es langfristig sinnvoll ist?
Am Anfang wirkt die Antwort einfach: je dicker, desto besser. Mehr Dämmung spart mehr Energie.
Wenn man sich damit genauer beschäftigt, merkt man aber: Mehr bringt nicht linear mehr. Die ersten Zentimeter haben den größten Effekt. Danach wird jeder weitere Zentimeter weniger wertvoll. Irgendwann spart zusätzliche Dämmung zwar noch messbar Energie, steht aber nicht mehr im vernünftigen Verhältnis zu Material, Platz, Montage und Kosten.
Genau diese Denkweise fehlt mir in der Diskussion über erneuerbare Energien.
Die eine Seite sagt: Wir müssen maximal ausbauen. Die andere sagt: Erneuerbare sind unzuverlässig und taugen nicht als echtes Standbein.
Beides greift zu kurz.
Natürlich brauchen wir erneuerbare Energien. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass jeder weitere Ausbau wirtschaftlich sinnvoll ist.
Entscheidend ist nicht nur, wie günstig Strom erzeugt werden kann. Entscheidend ist auch, ob dieser Strom dann kommt, wenn er gebraucht wird — und ob das Gesamtsystem ihn sinnvoll aufnehmen kann.
Photovoltaik liefert stark im Sommer und zur Mittagszeit. Wind hat andere Schwankungen. Beides kann sehr wertvoll sein, solange es auf echten Bedarf trifft. Aber je weiter der Ausbau geht, desto wichtiger wird die Frage: Stützen wir damit das System — oder bauen wir zunehmend Leistung, die nur mit immer mehr Speicher, Netzen, Reserveleistung und Abregelung beherrschbar wird?
Speicher, Netze, flexible Verbraucher, E-Autos, Wärmepumpen und Industrieprozesse können viel auffangen. Aber auch diese Lösungen kosten Geld, brauchen Infrastruktur und müssen zur realen Last passen.
Dazu kommt: Erneuerbare Technik ist nicht körperlos. Module, Rotoren, Kabel, Fundamente, Speicher, Netze und Flächen müssen gebaut, betrieben, ersetzt und später verwertet werden.
Das ist kein Argument gegen Erneuerbare.
Es ist ein Argument gegen den Gedanken, dass „mehr“ automatisch besser ist.
Eine Volkswirtschaft braucht kein Glaubensziel „maximal erneuerbar“. Sie braucht ein tragfähiges Ausbauziel.
Also die nüchterne Frage:
Wie viel Erneuerbare kann das System wirtschaftlich tragen?
Bis zu welchem Punkt stützen sie die Versorgung sinnvoll?
Und ab wann wird zusätzlicher Ausbau teurer als sein Nutzen?
Nicht: Erneuerbare ja oder nein.
Sondern: Welches Ausbauziel ist sinnvoll, tragfähig und bezahlbar?
Direktlink zu diesem Originalartikel