Adaptive Gebäudehüllen habe ich bisher vor allem vom Winter her gedacht.
Tagsüber soll die Sonne die massive Wand erwärmen. Nachts wird die Wärmeschutzebene geschlossen, damit diese Wärme nicht gleich wieder verloren geht. Die Wand wird zum Wärmespeicher.
Die aktuellen Hitzetage zeigen mir gerade die andere Seite derselben Idee.
Was Wärmedämmung im Sommer leistet
Heute waren es draußen knapp 29 °C. Die Putzoberfläche meiner sonnigen Südwestfassade hatte 41,8 °C.
Für die Überschlagsrechnung im Bild ist deshalb nicht die Lufttemperatur entscheidend, sondern die Temperatur der Putzoberfläche direkt vor der Dämmung.
Eine gedämmte Wand lässt tagsüber viel weniger Wärme hinein als eine ungedämmte Wand. Das ist richtig und wichtig.
Nachts geht durch dieselbe Dämmung aber auch viel weniger Wärme wieder nach außen. Bleibt über mehrere heiße Tage jedes Mal ein kleiner Rest in der Wand, summiert sich das. Er erreicht die Räume zeitversetzt – häufig erst abends oder nachts.
Tagsüber kann Solarstrom die Klimaanlage entlasten. Kommt diese Wärme später im Raum an, ist die Sonne weg, Solarstrom steht nicht mehr zur Verfügung – und die Klimaanlage muss ausgerechnet dann weiterlaufen.
Hier wird die adaptive Gebäudehülle interessant
Sie bleibt tagsüber vor der Wand. So soll die Sonnenwärme nicht in die massive Wand gelangen.
Nachts fährt sie vollständig weg. Die Wand kann wieder Wärme an die kühlere Außenluft abgeben und zum Himmel abstrahlen.
Im Winter wird die massive Wand zum Wärmespeicher.
Im Sommer zum Kühlpuffer.
Im Winter: Sonne nutzen und Wärme halten.
Im Sommer: Hitze bremsen und die Wand nachts wieder abkühlen lassen.
Die gleiche Wand. Die gleiche Physik. Nur zur richtigen Zeit in die andere Richtung.
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