Paradigmenwechsel im Fensterbau
Seit Jahrzehnten gilt: mehr Glas, mehr Scheiben, mehr Dämmung. Aus Zweifachverglasung wurde Dreifach- oder sogar Vierfachverglasung – mit immer schwereren, verklebten Glaspaketen. Doch dieses Prinzip stößt an seine Grenzen: Gewicht, Materialeinsatz und Gestaltungsfreiheit bleiben eingeschränkt. Ein neues Konzept zeigt, wie es anders geht: dynamischer Wärmeschutz. Statt starre Glaspakete einzubauen, übernehmen bewegliche Folienschichten zwischen den Glasscheiben die Dämmung.
Grundprinzip: Variabler Wärmeschutz
Mehrere dünne Folienschichten wirken wie zusätzliche Glasscheiben. Je nach Bedarf können sie automatisch aus- oder eingerollt werden:
- Offen → hohe solare Gewinne (g-Wert ~0,85), U-Wert ca. 2,8.
- Geschlossen → g-Wert ~0, U-Wert <0,5 bei nur 6 cm Tiefe mit fünf Folien.
So entsteht ein Fenster, das tagsüber Energie hereinlässt und nachts Wärmeverluste drastisch senkt.
Neue Gestaltungsfreiheit
Weil keine schweren Mehrkammer-Profile nötig sind, eröffnen sich ganz neue architektonische Möglichkeiten:
- Rahmenlose Fenster wie bei Glastüren.
- Flexible Sprossenkonstruktionen aus Aluminium oder Stahl, frei in Größe und Design.
- Große Glasflächen mit minimalen Rahmenanteilen.
Das Fenster wird wieder zum Gestaltungselement, nicht nur zur Energiesparkomponente.
Leichtigkeit & Konstruktion
Der Verzicht auf massive Glaspakete reduziert Gewicht und Bauhöhe. Transport, Montage und Logistik werden einfacher und nachhaltiger. Gleichzeitig können die Foliensysteme unauffällig im Profil verborgen werden – die Technik bleibt unsichtbar.
Mehr Funktionalität durch Automatisierung
Leichtere Konstruktionen ermöglichen neue Öffnungsarten: Schiebeelemente, vertikal bewegte Scheiben oder nach Automobil-Vorbild mit elektrischen Fensterhebern.
Das eröffnet völlig neue Funktionen:
- Sommer: äußere Scheibe leicht geöffnet → warme Luft entweicht.
- Winter: innere Scheibe leicht geöffnet → warme Luft aus dem Zwischenraum strömt nach innen.
- Alles erfolgt elektrisch und automatisch – für optimalen Komfort und Energieeffizienz.
Technische Leistungswerte
Die Kombination aus Folienschichten und variabler Steuerung bietet Werte, die mit klassischer Verglasung kaum erreichbar sind:
- U-Wert unter 0,5 W/m²K mit nur 6 cm Abstand und fünf Folien.
- g-Wert bis 0,85 im offenen Zustand – doppelt so hohe solare Gewinne wie üblich.
- Wärmeverluste 2–3× niedriger als bei gängigen Fenstern.
Integrierter Sonnenschutz
Der Wärmeschutz ist gleichzeitig Sonnenschutz. Rollladenkästen oder außenliegende Jalousien werden überflüssig. Das System liegt geschützt hinter Glas, ist von innen zugänglich und damit wartungsfreundlich, windstabil und langlebig. Gleichzeitig spart es Kosten und Bauaufwand.
Komfort & Nutzererlebnis
Bewohner profitieren unmittelbar:
- keine Strahlungskälte, behaglichere Räume,
- automatische Anpassung an Wetter und Tageszeit,
große Glasflächen ohne Komforteinbußen.
Relevanz für die Wärmewende
Das Fenster wird zur aktiven Energiekomponente:
- Tags: Energiegewinne maximieren.
- Nachts: Wärmeverluste minimieren.
Gebäude werden netzdienlich, reduzieren Lastspitzen und unterstützen die Integration erneuerbarer Energien.
Fazit: Tradition neu gedacht
Das Konzept erinnert an das alte Kastenfenster – zwei unabhängige Schichten, die getrennt bewegt werden können. Doch mit moderner Folientechnik und Automatisierung entsteht daraus eine Fenstertechnologie der Zukunft: leichter, effizienter, vielseitiger. Für Hersteller eröffnet sich damit ein neues Marktsegment – zwischen klassischem Fensterbau und High-Tech-Fassade. Für Endkunden bringt es mehr Komfort, niedrigere Energiekosten und ein echtes Stück Zukunft in die eigenen vier Wände.
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