Technische Dokumentation

Rechner 3 · Gebäude

Thermische Speichermassen sowie eine einfache, transparente Regelung für Fenstersonnenschutz und zusätzliche Nachtlüftung. Der transiente Außenwandkern und der Fensterkern bleiben erhalten.

1 · Ziel und Abgrenzung

Die Sommerregelung bildet zwei plausible passive Reaktionen ab: weniger solaren Eintrag, wenn der Raum bereits warm ist, und zusätzlichen Luftwechsel, wenn die Außenluft nachts tatsächlich kühler ist.

Nicht geändert: Rechner 1, Rechner 2, Außenwand-1D-Kern, innere 1D-Speichergruppen, dynamische Raumzone, ideale Heizung unter Solltemperatur und Energieerhaltungsprüfung.

Rechner 3 ist keine Kühlanlagen-, Komfort-, Feuchte- oder natürliche Lüftungssimulation.

2 · Betriebsmodi

ModusWirkung
Aus · Referenz V2Keine dynamische Sommerverschattung und kein Zusatz-Nachtluftwechsel. Reproduziert die bisherige V2 bei identischen Eingaben.
Praxisnah · StandardVerwendet die unten dokumentierten transparenten Szenariowerte.
ErweitertTemperaturgrenzen, Restsolar, Mindestsolar, Nachtluftwechsel, ΔT und Zeitfenster sind editierbar.

Die neue Regelung wird nicht allein über Monate aktiviert. Sie reagiert auf Raumtemperatur, Solarangebot, Außenlufttemperatur und – nur für Nachtlüftung – ein zulässiges Zeitfenster.

3 · Praxisnaher Standardmodus

ParameterWertEinordnung
Sonnenschutz EIN23,5 °CSzenarioannahme, keine Norm
Sonnenschutz AUS22,5 °C1 K Temperaturhysterese
Restsolar bei aktivem Schutz25 %konstanter Modellfaktor
Mindest-Fenstersolar5 W/m² Fensterkleine Totzone gegen wirkungslose Schaltzustände
Nachtlüftung EIN23,0 °CSzenarioannahme
Nachtlüftung AUS22,0 °C1 K Temperaturhysterese
Zusatzluftwechsel2,5 h⁻¹zusätzlich zur vorhandenen Basislüftung
ΔT EIN / AUS2,0 / 1,0 KAußenluft muss thermisch günstiger sein
Zeitfenster22:00–06:00Stundenachse des Wetterdatensatzes; keine separate Sommerzeitlogik

4 · Steuerungslogik

FunktionEinschaltbedingungAusschaltbedingungParameter
Idealisierte Heizungfreie berechnete Raumtemperatur würde unter Solltemperatur fallenfreie Temperatur ≥ SolltemperaturRaum-Solltemperatur, Standard 20 °C
Fenster-SonnenschutzRaum ≥ 23,5 °C und Fenstersolar ≥ 5 W/m²Raum ≤ 22,5 °C; ohne Solar ist der Zustand energetisch wirkungslosEIN/AUS-Grenzen, Restsolar, Mindestsolar
NachtlüftungZeitfenster erlaubt und Raum ≥ 23,0 °C und Tin−Tout ≥ 2 KZeitfenster endet oder Raum ≤ 22,0 °C oder Tin−Tout ≤ 1 KTemperaturgrenzen, ΔT, Zusatz-n, Start/Ende
FVS Fenster / FassadeDie bestehende FVS-Regellogik bleibt unverändert. Die Fensterverschattung ist ein separater Faktor und schaltet FVS nicht automatisch.bestehende FVS-Einstellungen

Die Hysterese verhindert ein ständiges Ein-/Ausschalten direkt an derselben Temperaturgrenze.

5 · Modellierung der Sommerverschattung

Der Fensterkern bestimmt zunächst den Bruttosolargewinn des jeweiligen Fensterzustands nach Orientierung, vorhandener statischer Verschattung/Solarfaktor, Glasanteil und g-Wert. Erst danach greift die neue Gebäuderegelung:

Q̇_solar,post = f_sommer · Q̇_solar,pre
f_sommer = 1 ohne aktiven Schutz
f_sommer = 0,25 im Praxisnah-Preset

Der abgehaltene Anteil

Q_solar,abgehalten = Q_solar,pre − Q_solar,post

liegt außerhalb der thermischen Raumenergiebilanz. Es wird nicht unterstellt, dass diese Energie im Raum als Wärme wieder auftaucht. Eine reale Sonnenschutzkonstruktion mit Absorption, Konvektion und langwelliger Abstrahlung wird damit nicht detailliert simuliert.

6 · Nachtlüftung

Die Basislüftung bleibt unverändert. Aktive Nachtlüftung ergänzt nur den Luftwechsel und besitzt im Modell keine Wärmerückgewinnung:

H_vent = 0,34 · V · [n_basis · (1−η_WRG) + I_nacht · n_nacht]

mit I_nacht = 1 nur bei erfüllter Regel. Die zusätzliche Wärmeabfuhr wird separat summiert. Es gibt keine direkte Manipulation des Speicherzustands: Boden, Innenwände und Decken kühlen nur ab, weil die kühlere Raumluft über die bereits vorhandene Oberflächenkopplung Wärme aus der Masse aufnimmt.

Damit bleibt die Speicherphysik der V2 erhalten. Nachtlüftung verändert eine Randbedingung des Raums, nicht den Energieinhalt der Masse per künstlichem Reset.

7 · Paired simulation der Solarwirkung

Die paired simulation bleibt die Primärmethode für die Heizwirkung des Fenstersolars.

A: normale Solarstrahlung + Sommerregelung
B: identisches Gebäude, Fenstersolar = 0
ΔQ_heat,solar = Q_heat,B − Q_heat,A

Aus Simulation A werden Fenster/FVS-Schaltplan und Sonnenschutz-Schaltplan in B festgehalten. Dadurch ändert sich der optische Zustand nicht nur deshalb, weil die Solarquelle ausgeschaltet wurde.

Nachtlüftung wird bewusst nicht fixiert. Sie folgt in A und B derselben Temperaturregel. Würde man die nach einem Solarüberschuss ausgelöste Nachtlüftung im No-Solar-Fall zwangsweise ebenfalls einschalten, würde man dort künstlich zusätzliche Wärme abführen und die ausgewiesene Solar-Heizwirkung nach oben verzerren.

Ein Solar-Tracer bleibt weiterhin nicht implementiert.

8 · Energieerhaltung

In die Raum-/Speicherbilanz geht nur die Solarenergie nach Sommerverschattung ein. Die zusätzliche Nachtlüftung erscheint als zusätzlicher Lüftungswärmestrom.

Solar_post + interne Gewinne + Heizung
− Außenwand/Raumfluss − Fenstertransmission − Dach − Boden − Lüftung_basis − Lüftung_nacht
− ΔE_innere_Masse − ΔE_Raum = Bilanzrest

9 · Ergebnisgrößen

Heizperiode / HeizungSommer / Überhitzung
Jahres-Nutzwärme; davon Okt–Apr; maximale Stundenlast im Modell; paired Solar-Heizwärmereduktionmaximale Raumtemperatur; Stunden >22 / >24 / >26 °C; Gradstunden >26 °C; Sonnenschutzstunden; Nachtlüftungsstunden; zusätzliche Lüftungswärmeabfuhr; Fenstersolar vor/nach Sommerverschattung

Die maximale Raumtemperatur ist das Maximum der internen Substeps. Die Übertemperaturstunden werden mit der stündlich gemittelten Modell-Raumtemperatur gezählt.

Zusätzlich zeigt der Rechner am gewählten Diagnosezeitpunkt transparent, warum Sonnenschutz oder Nachtlüftung aktiv bzw. inaktiv sind.

10 · Vergleich ohne / mit Sommerregelung

Bei aktivem Sommermodus rechnet Rechner 3 für jedes Gebäudeszenario zusätzlich eine Referenz mit denselben Gebäude-, Nutzungs- und Speicherparametern, aber deaktivierter Sommerregelung. Dargestellt werden maximale Temperatur, Stunden >24 °C, Fenstersolar, maximaler Speicherinhalt und Heizwärme.

Die bestehende zustandsabhängige FVS-Logik bleibt in beiden Rechnungen aktiv und kann indirekt auf den geänderten thermischen Zustand reagieren. Der Vergleich zeigt deshalb die Wirkung des Regelpakets im bestehenden Gesamtsystem, nicht eine mathematisch isolierte Einzelkomponente.

11 · Modellgrenzen

12 · Abgrenzung zu Rechner 2

Rechner 2 bleibt unverändert und liefert weiterhin den Bruttosolargewinn des Fensters aus g-Wert, Glasanteil, Orientierung und seiner eigenen Fenster-/FVS-Logik. Die gebäudeseitige Sommerverschattung und die zeitliche Nutzbarkeit gehören ausschließlich zu Rechner 3.