Rechner 1 v36 · Thermischer Speicher & Batterieäquivalent
Methodikdokumentation des neuen Speicherblocks im Wand-/Fassadenrechner. Ziel ist nicht eine einmalige Marketingzahl, sondern eine reproduzierbare Kenngröße dafür, wie stark die vorhandene Wandmasse im zeitabhängigen Betrieb als thermischer Speicher genutzt wird und welcher nutzbaren elektrischen Batteriekapazität derselbe Energiepuffer entspricht.
1 · Systemgrenze
Der Rechner führt drei Wandvarianten auf derselben Wetterachse parallel: massive Referenzwand, dieselbe Wand mit statischer Außendämmung und dieselbe Wand mit adaptiver Fassade. Die Wand selbst wird instationär über ihre Dicke gerechnet; Wetterdaten liegen stündlich vor, die Wärmeleitung wird intern mit 10-Minuten-Schritten fortgeschrieben.
2 · Eingaben, die den Speicher beeinflussen
| Gruppe | Parameter | Wirkung |
|---|---|---|
| Geometrie | Wanddicke | Bestimmt Masse und Wärmeweg. |
| Material | λ, ρ, c | λ bestimmt Wärmeleitung; ρ·c bestimmt sensible Speicherkapazität. |
| Klima | PVGIS-TMY / synthetisch | Außentemperatur, Wind, direkte/diffuse Solarstrahlung, langwellige Himmelsstrahlung. |
| Ausrichtung | N, O, S, W sowie Zwischenrichtungen | Ändert Einstrahlung auf die vertikale Fassade. |
| Außenhaut | Glas, Stegplatte, PV opak, PV semitransparent/bifazial | Ändert optischen und thermischen Energiepfad. |
| FVS | offen/geschlossen, U-Werte, Regelreserve | Steuert, wann Solarzugang oder Wärmeschutz aktiv ist. |
3 · Energieinhalt der Wand
Für jede numerische Wandschicht wird der sensible Energieinhalt aus Masse, Wärmekapazität und momentaner Schichttemperatur gebildet. Pro Quadratmeter Wandfläche gilt:
Die absolute Nullreferenz der Temperatur ist für die Speicherhub-Betrachtung unerheblich, weil ausschließlich Differenzen desselben Wandaufbaus ausgewertet werden.
4 · Standarddefinition: zusätzlicher Speicher durch adaptive Betriebsweise
Standardmäßig wird nicht der gesamte Energieinhalt der Wand als „neuer Speicher“ gezählt. Verglichen werden dieselbe Wandmasse hinter adaptiver und statischer Außendämmung:
Damit wird der Teil der zeitabhängigen Wandenergie herausgelöst, der durch die adaptive Betriebsweise zusätzlich entsteht. Alternativ kann im Rechner der gesamte Wand-Speicherhub der adaptiven Wand betrachtet werden.
5 · Tageshub
Für jeden Kalendertag wird die Spannweite des Speicherzustands bestimmt:
Der Tageshub ist die nutzbare Energiemenge, die innerhalb dieses Tages zeitlich gepuffert wird. Er ist deshalb die zentrale Größe für den Vergleich mit einer Batterie, die denselben Energiepuffer bereitstellen soll.
6 · Statistik über den Analysezeitraum
| Kennwert | Bedeutung |
|---|---|
| Mittel | arithmetischer Mittelwert aller Tageshübe. |
| P50 | 50 % der Tage besitzen einen kleineren oder gleichen Tageshub. |
| P90 | Kapazität, die 90 % der modellierten Tageshübe abdeckt. |
| P95 | Kapazität, die 95 % der modellierten Tageshübe abdeckt. |
| P99 | Kapazität für 99 % der Tage. |
| Maximum | größter Tageshub im gewählten Zeitraum. |
| Periodenhub | maximaler Abstand zwischen höchstem und niedrigstem Speicherzustand über den gesamten Zeitraum. |
Der P95-Wert ist als praxisnaher Bemessungswert interessant: Er verhindert, dass ein einzelner Extremtag die gesamte Speichergröße bestimmt, deckt aber nahezu alle modellierten Tage ab. Für eine vollständige Reproduktion des gesamten saisonalen Speicherzustands ist zusätzlich der Periodenhub zu beachten.
7 · Saisonaler Ladeumsatz
Der Ladeumsatz summiert alle positiven Änderungen des Speicherzustands über den gewählten Zeitraum:
Er beschreibt nicht die gleichzeitig vorhandene Speicherkapazität, sondern den Energiedurchsatz: wie viele kWh pro m² im Verlauf der Heizperiode wiederholt in diesen Speicherzustand hineingeladen wurden.
8 · Elektrisches Batterieäquivalent
Der direkte Vergleich ist bewusst zunächst rein energetisch. Wenn die Wand innerhalb eines Tages einen Speicherhub von 0,80 kWh/m² bereitstellt, müsste eine elektrische Batterie für denselben nutzbaren Energiepuffer ebenfalls 0,80 kWh/m² nutzbare Kapazität bereitstellen.
Dies ist ein Kapazitätsvergleich, kein Vergleich von Exergie, Stromnutzbarkeit oder Anlagenkosten.
8.1 Nominale Batterie bei begrenzter DoD
Beispiel: 0,90 kWh nutzbar bei 90 % DoD → 1,00 kWh nominal.
8.2 Zusätzlich mit Systemwirkungsgrad
Der Rechner lässt DoD und Systemwirkungsgrad frei einstellen. Damit kann eine reale elektrische Speicheranlage gegen denselben nutzbaren Energiepuffer dimensioniert werden.
8.3 Wärmepumpe / COP
Der COP ist kein Bestandteil des direkten Batterieäquivalents. Er erscheint nur in einer separaten Sekundärspalte, wenn gefragt wird, wie viel elektrische Speicherenergie über eine Wärmepumpe erforderlich wäre, um dieselbe Wärmemenge bereitzustellen.
9 · Analysezeiträume
- Heizperiode 01.10–30.04 – Standard für den Wintervergleich.
- Ganzes Jahr – Jahrescharakteristik.
- Aktuelle Diagrammauswahl – Tag, Woche, Monat, Heizperiode, Sommer oder Jahr entsprechend der Hauptansicht.
10 · CSV-Export
Der Button Tageswerte CSV exportiert pro Tag mindestens:
- Datum,
- Solarangebot [kWh/m²],
- Speicherhub [kWh/m²],
- Ladeumsatz [kWh/m²],
- minimaler Speicherzustand,
- maximaler Speicherzustand.
Damit können Perzentile, Histogramme, Monatsauswertungen und externe Plausibilitätsprüfungen unabhängig vom Browser wiederholt werden.
11 · Außenhaut- und PV-Modellstand
v36 basiert auf dem aktuellen MASTER-v35-Zweig. Damit bleibt das weiterentwickelte PV-Kavitätsmodell erhalten: eigene Kavitätsluft, Wärmeaustausch PV↔Kavität↔Wand, langwellige Rückseitenstrahlung, Luftwechsel der Kavität sowie getrennte PV-Strom- und Wärmepfade. Die Speichererweiterung ersetzt diese Physik nicht, sondern wertet zusätzlich den zeitabhängigen Energieinhalt der Wand aus.
12 · Modellgrenzen und Interpretation
- Das Ergebnis ist ein Modellwert für die eingegebenen Parameter, kein gemessener Produktkennwert.
- Das Batterieäquivalent bezeichnet Speicherkapazität in kWh, nicht elektrische Leistung in kW.
- 1 kWh thermischer Speicherhub und 1 kWh elektrische Batteriekapazität sind energetisch gleich groß, aber nicht gleichwertig hinsichtlich Nutzbarkeit, Exergie, Kosten oder Wandlungsverlusten.
- P90/P95/P99 beziehen sich auf die Verteilung der modellierten Tageshübe des gewählten Klima- und Bauzustands.
- Der saisonale Ladeumsatz darf nicht als gleichzeitig vorhandene Speicherkapazität interpretiert werden.
- Der Zusatzspeicher gegenüber statisch ist kein Solar-Tracer. Er isoliert den Unterschied der beiden Wandzustände, nicht die Herkunft jedes einzelnen Joules.
- Feuchte, Latentwärme, 2D/3D-Wärmebrücken und reale Regelungsfehler sind nicht Teil dieses 1D-Modells.
13 · Empfohlene Auswertung für Veröffentlichungen
Empfohlene Formulierung: „Im definierten Modell entspricht der P95-Tageshub der adaptiv zusätzlich genutzten Wandmasse einer nutzbaren elektrischen Batteriekapazität von X kWh pro m² Wandfläche.“